Forschungsschwerpunkte

Das Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften versteht sich als interdisziplinäre Forschungsstätte und Schnittstelle zwischen naturwissenschaftlich-technischer, sozialwissenschaftlicher und ethisch-philosophischer Betrachtungen von Technik und Wissenschaft, deren Nutzungen und Produktionen.

Innerhalb dieses Spannungsfeldes befasst sich das ISR schwerpunktmäßig mit folgenden Themen:

Nukleare Sicherheit

Eine wesentliche Thematik des Instituts ist die Bearbeitung von nuklearen Risiken vom Ressourcenbedarf über Anlagensicherheit, Unfallabläufe und Unfallfolgen bis zu Proliferationsgefahren und Abfallbehandlung. Die Arbeit des Instituts umfasst eine Durchdringung und ggf. Erweiterung wissenschaftlicher Grundlagen, die Analyse von konkreten technischen oder technologieorientierten Projekten, sowie die Beratung von Akteuren der Politik und Öffentlichkeit. Ausgangspunkt vieler Überlegungen des Instituts ist die Wahrnehmung weiter Bereiche der nuklearen Technologie als hochambivalente Risikotechnologie, die beispielhaft für Fehlentwicklungen in der modernen Wissenschafts- und Technikgeschichte steht.  (Kernenergie)

Sicherheit von Windenergieanlagen

Windenergie stellt einen wichtigen Schwerpunkt des Instituts im Bereich der Bewertung und Gestaltung regenerativer Energieerzeugungstechnologien dar. Beispiele sind hier die Beobachtung und Analyse von Eisabfall sowie die diesbezügliche Erstellung von Gutachten für Anlagenbetreiber, die experimentelle Untersuchung von eisabweisenden Lacken zur möglichen Technikgestaltung, Risiko- und Sicherheitsbetrachtungen mit Schwerpunkt auf Brandschutz sowie Sicherheits- und Gestaltungsanalysen für urbane Kleinwindkraftanlagen. Insbesondere werden experimentelle Untersuchungen zu Eiswurf und Eisfall sowohl bei Groß- als auch Kleinwindkraftanlagen durchgeführt. (Erneuerbaren Energieträger

 

Risiko- und Technikfolgenforschung im Bereich Bio- und Nanotechnologie

Arbeiten im Bereich der modernen Biotechnologie sollen weiter ausgebaut werden. Unter Anwendung des Konzepts Prospektiver Technikfolgenabschätzung (s.u.) werden Technologien und Forschungsansätze aus dem Bereich der Gentechnik und der Synthetischen Biologie, die eine erhebliche Entwicklungsdynamik aufweisen, untersucht. Diese Analysen sollen auch auf die Nanotechnologie ausgeweitet werden.

Energiewende – Erneuerbare Energietechnologien – Ressourcen

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt des Instituts liegt im Bereich der Energietechnologien für eine nachhaltige Energiewende, wobei insbesondere auch die Ressourcenfrage einbezogen wird. Die anthropogene Klimaveränderung ist dabei als treibender Faktor für die zunehmend hohe Dringlichkeit zu sehen. Das Institut hat sich schon länger bei der Bearbeitung von Fragestellungen engagiert, die mithelfen, eine Energiewende weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energietechnologien erfolgversprechend zu gestalten. Hierbei geht es schwerpunktmäßig um Risikowahrnehmung, Risikominimierung sowie um das Herausarbeiten und die Sicherung von Gestaltungspotentialen bzw. die Vermeidung von Fehlentwicklungen.

Prospektive Technikfolgenabschätzung

Das Konzept der Prospektiven Technikfolgenabschätzung (ProTA), das am Institut in Kooperation mit weiteren Partnern verfolgt wird, geht – kurz gefasst – von folgenden grundlegenden Diagnosen aus:

  1. Wie befinden uns im Zeitalter einer techno-wissenschaftlichen Dynamik mit einer verstärkten Anwendungsorientierung bereits in der Forschung, was neue Herausforderungen für den gesellschaftlichen Umgang mit Wissenschaft und Technik generiert.
  2. Die wachsenden Widersprüche und Ambivalenzen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts machen es erforderlich, Wege zu finden, wie damit verantwortlich umgegangen werden kann.
  3. Es ist eine zunehmende Governance-Orientierung schon im Forschungsprozess im Zusammenspiel inner- und außerwissenschaftlicher Akteure zu beobachten jenseits der alten Dichotomie aus wissenschaftlichem Eigensinn einerseits und politischen Steuerungsvorstellungen andererseits.
  4. Eine Zielbestimmung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts lässt sich nicht mehr anhand rein innerwissenschaftlicher Kriterien vornehmen.

Universität für Bodenkultur Wien