Eisabfall-Beobachtungen

Beobachtung von Eisabfall von Windkraftanlagen

Der unzureichende Kenntnisstand des tatsächlichen Eisabfallrisikos führt zu starker Verunsicherung sowohl bei Anwohnern als auch bei den Zuständigen Behörden. Hierzu trägt möglicherweise eine Reihe älterer Beobachtungen bei, bei denen aufgrund der noch weniger entwickelten WEA-Technik zwischen Fallweiten von Eisstücken durch Eiswurf und Eisabfall schwer zu unterscheiden war. Für die älteren WEA war die Sensortechnik zum Erkennen von Eisansatz an den Rotoren noch nicht hinreichend entwickelt, so dass, anders als bei modernen Anlagen, die Rotoren unter Vereisungsbedingungen nicht rechtzeitig automatisch abgeschaltet wurden. Dies bedeutet, dass Eisstücke nicht nur beim Abtauen während stillstehender Rotoren abfallen, sondern dass sie auch wegen der beachtlichen Fliehkraft über beträchtliche Distanzen geschleudert werden können.

Die auf unzureichender Beobachtungsdatenbasis entwickelten und von wenigen ausländischen Begutachtungsinstitutionen verwendeten Berechnungsmodelle liefern zwar Fallweiten, jedoch nach Art von „Black Boxes“ auf für Außenstehende kaum nachvollziehbare Weise. Der Projektwerber hat deshalb auf der Basis von Simulationsexperimenten während des vergangenen Jahres eine für das Flachland im Osten Österreichs gültige provisorische Risikoabschätzungsmethode entwickelt, die bereits eine gewisse Entspannung der Situation in den Genehmigungsverfahren für diese Gebiete ermöglichte. Die Methode deckt jedoch noch nicht alle Problembereiche ab und ist jedenfalls nicht auf ganz Österreich umlegbar, weil die meteorologischen Verhältnisse sich in anderen Teilen Österreichs beträchtlich von denen des oben genannten Flachlandes und den bei den Simulationsexperimenten aufgetretenen unterscheiden können.

Für die Bewertung des Risikos durch Eisabfall von Windkraftanlagen ist eine ausreichende Datenbasis hinsichtlich Verfrachtungsweite, Form, Gewicht und Dichte der Eisstücke bei gegebener Anlagengröße und bekannten meteorologischen Parametern notwendig.

Zur Generierung einer repräsentativen Statistik werden zunächst reale Eisabfallereignisse beobachtet und dokumentiert. Die geschieht einerseits in Form von systematischen Erhebungen mit dem Ziel einer hohen Datengenauigkeit an definierten Windkraftanlagenstandorten im Burgenland, im Alpenvorland und in den Alpen. Andererseits protokollieren Mühlenwarte österreichischer Windparks anhand vorgefertigter Formblätter eine möglichst hohe Anzahl von Eisabfallereignissen.

Universität für Bodenkultur Wien