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Risiken und Nachhaltigkeit Erneuerbarer Energien in Abhängigkeit von Skalierung und Einsatzbedingungen

Projektlaufzeit: 01.12.2008 – 30.11.2010

Download: Beilage 1 zum Abschlussbericht des Projektes:
Risiken und Nachhaltigkeit Erneuerbarer Energien in Abhängigkeit von Skalierung und Einsatzbedingungen

Zusammenfassung (deutsch)

In Österreich setzt sich ein Konsens hinsichtlich der Notwendigkeit nachhaltiger Lebensstile, ökologieverträglichem Konsumverhalten und in weiterer Folge einer Umstellung von Regionen und Gemeinden auf Energieautarkie durch. Dass letzterer Aspekt mit Problemen, Sicherheitsrisiken und herausfordernden Schwierigkeiten verbunden ist, wird dadurch augenscheinlich, dass öffentlich prominente energieautarke Beispiele einer Problemlösung, wie die „Energieautarke Gemeinde Güssing“ sich in Österreich nicht gerade wie ein Lauffeuer ausgebreitet haben.

Aufbauend auf dieser Problemstellung wurde folgende Hypothese vertreten:

a)   Energieautarkie rein nach österreichischen Verfahren hängt meistens von der Verfügbarkeit von Landesförderungen ab, sowie und von entsprechendem Wissen, und der regionalen Verfügbarkeit von Unternehmen, welche die nötigen Installations- und Wartungsarbeiten verrichten Das bedeutet, die Subventionsabhängigkeit nachhaltiger Energieträger stellt sich als grundlegendes Problem heraus.

b) Die Einleitung der Energiewende ist auch vom Innovationswillen und dem Bildungsgrad im ländlichen Raum abhängig,

c) die Durchführbarkeit der Energiewende ist mit erheblichen versteckten Risiken behaftet, vor allem hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit (Förderungsunabhängigkeit).

d) Energieautarkie erfordert auch entsprechende nachhaltige Lebensstile, Statussymbolen wie Autos gerade im ländlichen Raum sind hier unzuträglich.

Im ersten Teil der Arbeit werden einerseits umweltgeschichtliche Beispiele resilienter Kulturen und Resilienzforschungstools samt Indikatoren –  und ihre Unterschiede zu rein Resourcenverbrauchsbezogenen Indikatoren des „Biophysical accountigs“ gegenübergestellt. In diesem Zusammenhang wird das vom ehemals sowjetischen Pionier der genetischen Nahrungsmittelsicherheit  Nicolaj Ivanovich Vavilov entdeckte Resilienzsystem der so genannten „Vavilov- Zentren“  aufgegriffen und hinsichtlich der indigenen Systeme deren sachgerechter Bewirtschaftung weiter ausgebaut, um wegen der dazu notwendigen der ökologisch-, klimatisch- und genetischen Anpassung von  landwirtschaftlichen Nutzpflanzensorten und der räumlich ergonomisch optimierten Produktion von essbaren Energieeinheiten durch Sortenanpassung und -verbesserung ein möglichst sinnvoller umweltgeschichtlicher Showcase postuliert. Dieser gilt als Resilienz- Richtmaß. Daraus wurde ein  Indikatorenset zur Risikoabschätzung hergeleitet.

Im zweiten vorwiegend praktischen Teil der vorliegenden Analyse werden aufbauend auf dem von Prof. Liliana Muñoz Villar an der Universität in Huancayo (Peru) entwickelten und bereits  im Projekt „Oil Reduced Agriculture“ eingesetzten sozial- ökologischen Indikatortools Fallbeispiele  in Österreich analysiert. Demzufolge werden einerseits naturwissenschaftlich – ökologische Daten (GIS Daten, Sonneneinstrahlung, Klima, Bodenbeschaffenheit, Wasserverfügbarkeit, Genetische Sortenverfügbarkeit, etc….) und andererseits durch Stakeholder- Interviews ermittelte sozial-ökologische Daten tabellarisch erfasst und daraus einerseits ein Risikoprofil erstellt und in weiterer Folge Innovationspotentiale und gesellschaftlich viable lösungsinnovative Pfade zur schrittweisen Resilienzerlangung erhoben. Ein Beispiel solcher entwickelten Innovationen, auf umweltgeschichtlichem Wissen basierend, die so genannte „Solarwasserpumpe“ von Dr. Uwe Christian Plachetka, wird als ein Baustein auf dem Weg zur „leistbaren“ Energieautarkie vorgestellt und  hinsichtlich der Funktion, finanziellen Leistbarkeit und Einführbarkeit in sozial-ökologische Systeme analysiert.

Verschiedene Umstellungsrisiken werden mit den Analysetools erhoben. Nach der Erhebung eines weiteren Beispiels der angestrebten Autarkie, dem so genannten „Steinbacher Weg“ wurde das ursprünglich peruanische Tool zu einem für österreichische Dörfer und Regionen anwendbarem Tool kalibriert.

Die Aufgabe dieses Analysewerkzeuges ist die Identifikation der für die für die erfolgreiche Weiterentwicklung maßgebenden Attraktoren. Attraktoren sind kontextdefinierte Parameter, welche diesen oder jenen Entwicklungsweg gangbar machen. Dazu gehört einerseits der innere Zustand eines Dorfes, wie „soziales Kapital“ , „partizipative Innovation“ nach Paulo Freyre, als auch die Umweltbedingungen, das bedeutet das vorhandene wissensbasiert mobilisierbare ökologische Kapital, das bedeutet, die wissensbasiert mobilisierbaren erneuerbaren Ressourcen in der Dorfumgebung. Dies ist das Paradigma zur Erstellung weiterer Kriterien zur Risikoprofilerstellung.

Universität für Bodenkultur Wien